Die morbide Welt klassischer Motorräder
Die morbide Welt klassischer Motorräder
Klassische Motorräder als Kunstobjekte - 05605-8064434 -
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Retrospektive 5

„ Hier nimm mal meinen Schlüssel und paß ein bisschen auf mein Mopped auf. Ich will ’ne Runde Flippern gehn’. Und fahr ruhig mal ne Runde,- damit du mal was Gescheites fährst. Aber paß auf, die fängt erst ab 8.500 richtig an zu ziehen!“ Sprach’s und entschwand in Richtung Flipperhalle. Ich fuhr zu dieser Zeit besagte ‚Chopper-Max’ mit irgendwas um die 17 PS bei knappen 7.000 Touren, was in den 50-er und 60-er Jahren enorm sportlich war.

Vorsichtig umschlich ich die 250-er HONDA von dem Typen, um überhaupt das Zündschloß zu finden. Ich hatte ja bis dato noch nie auf so einem Ding gesessen. Aha, da war der Drehzahlmesser; kannte ich auch nur vom Hörensagen. Viele Zahlen waren da drauf und irgendwo, ganz rechts unten, begann ein rotes Feld. 95 stand da und das sollte man, wie ganz klein zu lesen war, mal 100 nehmen. Na, das ließ sich leicht rechnen, aber verstehen konnte ich es nicht. Bei 11.5 war dann Schluß in dem roten Feld,- na gut.

Nachdem ich alle anderen Hebel und Pedale am gewohnten Platz entdeckt hatte, setzte ich mich drauf. Naja, der Lenker war mindestens 4 Etagen tiefer als meiner und in ‚M’-Form,- unbequem, beschloß ich. Die Lenkerarmaturen waren gespickt mit kleinen Hebelchen und Knöpfchen ,- alles in englischen Kürzeln beschriftet. An meiner ‚Max’ gab’s nur die wohlbekannten Blechdinger für Licht ein und aus und Hupe,- fertig. Blinker gab es sowieso nicht und Kontrolllampen auch nicht. Ich hatte schon mächtig Respekt vor dieser verwirrenden Hightecanlage. Beim Einschalten der Zündung ging sogar ein grünes Lämpchen in einem der Messgeräte an,- toll. Das Ding hatte zwar einen Kickstarter, aber ich wusste, dass es auch einen Anlasser haben sollte, wie ein Auto. Und tatsächlich fand ich am rechten Griffstück ein mit ‚start’ markiertes Knöpfchen. Na dann drücken wir doch mal da drauf, mal schauen, was passiert.

 

Das Ding sprang tatsächlich an! Und blubberte gemütlich vor sich hin,- hübsch. Sogar die Nadel des Drehzahlmessers bewegte sich, wenn ich vorsichtig Gas gab,- auch hübsch. Die Blinker ignorierend fuhr ich langsam los und starrte gebannt auf den Drehzahlmesser. Vorsicht vor der 8.500-Marke! Ja, das fuhr schon ganz ordentlich, wenn nur der Lenker nicht so tief gewesen wäre. Da sich das Ganze, wie immer vor unserer Stammkneipe in der Stadt abspielte, musste ich auch von Zeit zu Zeit auf den Tacho achten. Ich fuhr also endlich hoch zur zweispurigen Hauptstraße, auf der am Samstagnachmittag nichts los war und gab Gas. Ach herrje! Welch ein Getöse! Und welch ein Gezerre an den Armen! Lieber Gott, fuhr das Ding los, dachte ich und schaute auf den Drehzahlmesser. Der Zeiger bewegte sich so etwa um die 7.000 Touren. Na, jetzt will ich’s aber wissen, dachte ich wohl und gab noch mehr Gas. Und dann ging es erst richtig los! Wie versprochen, bei 8.500.

 

Ich kann nur schätzen, dass ich im dritten Gang mit etwa 120 die Straße runter geschossen bin und Mühe hatte, mich auf dem Apparat fest zu halten. Von verkehrsgerechter Orientierung konnte keine Rede mehr sein! Irgendwie bin ich jedenfalls zurückgekommen und habe diese Rakete mit schlotternden Knien und zitternden Händen wieder auf ihren Platz gestellt.

Als der Typ dann endlich zurück kam und mich fragte: „ Und?“, antwortete ich nur:

„ geht“.

Ich glaube aber, ich war heilfroh, wieder auf meiner gechopperten Max zu sitzen, die Arme schön weit oben, keine verwirrenden Knöpfe und Hebelchen, nur ein Messinstrument, das vertraute Wimmern der Schubstangen und das beruhigende Bollern des ausgeräumten Auspuffs im Ohr. Das war meine Motorradwelt und ist es auch weitgehend geblieben…

 

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© Ulf Dauselt