Die morbide Welt klassischer Motorräder
Die morbide Welt klassischer Motorräder
Klassische Motorräder als Kunstobjekte - 05605-8064434 -
Klassische Motorräder alsKunstobjekte - 05605-8064434 -   

Bilder und Texte Seite 82 bis 89

S.82/83: R60/5

Sechzig Kilometer südlich in einem Kurort. Erst alter Ortskern, dann auf Ausfallstrasse in ein gewachsenes Wohngebiet mit älteren Zweifamilienhäusern und großen Gärten. Netter Anfang Sechziger mit Sohn und Hund. Im Keller unter der Treppe steht eingestaubt und verdreckt ein halbzerlegtes Motorrad. Es entpuppt sich nach kurzer Betrachtung als ein völlig sinnlos zusammen gekloppter Bastard aus diversen BMW-Modellen.

Es soll wohl der ‚Cafe’-Racer’ –Aufbauversuch des Exmannes seiner Frau sein. Vorher war es eine aufgerüstete RT, deren umlackierte Einzelteile wohl verpackt, aber völlig verdreckt, in der Waschküche nebenan zu bestaunen sind.

„ Das Zeug lag schon hier, als ich eingezogen bin. Der Exmann meiner Frau hat es hier gelassen und sich nicht mehr drum gekümmert. Ich hatte mal überlegt, ein Gespann ’draus zu bauen, aber das ist ja alles Quatsch…“

 

S.84: Göricke

Der Anruf zu der Göricke kam von einer weiblichen Stimme, die nach meiner Namensmeldung sofort in einen vertraulichen Ton verfiel und mich blitzartig fast vierzig Jahre zurück beförderte. Ich kannte diese, nun nicht mehr junge Dame.

Bei unserem Treffen, was dem Besichtigen der Göricke dienen sollte, erwies sich die einstmals eher zierliche Anbieterin als überfeister Fleischberg mit dem Habitus der typischen Flohmarktverkäuferin.

Dazu passend das Ambiente, in dem die Göricke nur schwer zu finden war: Ein ausgebranntes Gartenhaus, an dessen geschwärzter Wand, unter einem Berg Sperrmüll, die Reste eines rostigen Mopeds zu erahnen waren…

 

S.85: Zü.-C50

Weder die Lokalität, noch die Anbieter dieses Mopeds hatten sich in den letzten 3- oder 4 Jahren verändert, als ich das erste Mal hier war. Damals ging es auch um ein Zündapp Moped. Allerdings war dieses etwas älter und verwahrloster, um nicht zu sagen Schrott. Bei dieser Gelegenheit wurde mir die jetzige Zündapp nur gezeigt, da man sie behalten wollte.

Mit beiden ist wohl der verstorbene Vater des Anbieters unterwegs gewesen.

„ Mein Vater war damit immer draußen im Wald bei seinen Bienen und auch mal im Dorf zum Einkaufen. Ich wollte sie ja immer mal selbst fahren, aber mein Rücken macht das nicht mit. Naja, jetzt steht sie schon so lange hier rum…“

 

S.86: Simson

Übern Berg in meinen ehemaligen Wohnort. Vorbei an der Strasse, in der ich gewohnt habe, einmal links, einmal rechts. Das übliche Wohnhaus hier oben: Kleiner Vorgarten mit Garagen, großes Gartengrundstück hinterm Haus; natürlich mit Baumarkt-Gartenhäuschen.

Darin, eingequetscht von den üblichen Haus-, Hof- und Gartenutensilien die Simson.

„ Mein Mann hat sie sich vor Jahren mal zurechtgemacht und ist damit auch ein paar Mal rumgeknattert, aber irgendwann hat er es dann aufgegeben und sie hier abgestellt…“

 

S.87: R60/2

Dreißig Kilometer südwestlich in einem alten Ort mit Neubaugebiet und Einkaufszentrum. Die Leute kaufen entweder noch die letzten Grillwürste und das ganze Zeug oder sie kratzen in den ‚individuell’ gestalteten Gärten ihrer gerade frisch verputzten Kleinvillen.

Unterhalb dieses Idylls, am alten Ortskern grenzend, ältere Reihenhäuser mit richtigen Gärten.

Man geht durch einen Kellergang hinein und steht vor einem rostigen Berg ‚Alte BMW’, der wohl sortiert in diversen Kartons verstreut unter einem windschiefen Vordach lagert.

Hier hatte sich einmal jemand richtig Mühe gegeben und ein altes Schwingenmodell mit der Technik und der Optik einiger neuerer Modelle einen Umbau auf die Räder gestellt, der sogar fuhr. Aber dann kam der Bastler!

„ Ich habe sie zerlegt, weil ich den Rahmen neu beschichten lassen wollte. Aber irgendwie ist nie was draus geworden…“ 

 

S.88/89: Max

Wieder mal tief im Südwesten über eine fast leere Autobahn mit einem herrlich weiten Blick ins Land. Das verschlafene Kaff liegt direkt kurz hinter der Abfahrt und mutet von außen fast mittelalterlich an. Die Einfahrt führt über eine alte Steinbrücke, die direkt in einen Torbogen der ehemaligen Stadtmauer mündet. Darunter fließt ein träges Flüsschen, an dessen Ufern sich Waiden, Wiesen und Felder abwechseln. Nach dem mittelalterlichen Ortskern geht es bergauf in das übliche Siedlungsgebiet mit allem, was dazu gehört.

Der Anbieter der Max ist ein munteres, handfestes  Bürschchen, welches mit dem Samstagnachmittagsbesen über den Hof läuft. Die Max steht in einer der beiden Garagen mit allerlei nützlichem Unsinn. In der Garage daneben steht ihre Nachfolgerin. Ein japanischer Lächerlichkeitschopper mit einer dem Fahrer angemessenen Sitzhöhe.

 

„ Ich bin mit der Max jeden Tag zur Arbeit gefahren, aber irgendwie war sie mir doch immer ein bisschen zu hoch. Vor zehn Jahren hab’ ich mir dann die Suzi gekauft und seitdem steht die Max…“

 

 

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© Ulf Dauselt