Die morbide Welt klassischer Motorräder
Die morbide Welt klassischer Motorräder
Klassische Motorräder als Kunstobjekte - 05605-8064434 -
Klassische Motorräder alsKunstobjekte - 05605-8064434 -   

Bilder und Texte der Seiten 50 bis 73

S.50/51: CB 750

Irgendwo in der Nordstadt an einem sonnigen Samstagnachmittag öffnet ein Mann Anfang der 50 eine dieser typischen Mietshausreihengaragen. Zwischen allerlei Gerümpel zugestellt, lehnt an einer abblätternden, muffigen Wand eine völlig verwahrloste und zeitgeistig verwüstete CB 750 K2.

„Die hab’ ich mal gefahren, dann aber keine Zeit mehr gehabt. LKW fahren und dann am Wochenende die Freundin und so. Und seitdem steht die da…“

S.52/53: SL

Im Januar bei eisiger Kälte auf dem Land in einem runtergekommenen Holzschuppen steht völlig verschlammt und Dreck verkrustet die kleine SL. Während im Nachbarschuppen ohne Unterlass ein wahrscheinlich frierender Schäferhund wie irre bellt.

 „Ich bin damit immer im Wald gewesen und so’n bisschen durch die Feldwege gefahren. Angemeldet hab ich die nie…“

S.54/55: GS11G

In einer gutbürgerlichen Zweifamilienhaussiedlung im ‚Speckgürtel’. Alles sehr gepflegt, gut gekehrt und der Rasen kurz geschnitten. Oben im Haus der Schwiegereltern alles gefliest, gekachelt und mit Laminat ausgestattet.

„ Ich hab’ die damals von meiner Abfindung neu gekauft und gleich die Verkleidung dazu in Fahrzeugfarbe lackieren lassen. Da war das ganze Geld weg, aber ich hatte mir meinen Traum erfüllt…“

S.56/57: SRX

Zwei Häuser weiter in meiner direkten Nachbarschaft im Haus der Eltern. Unten im Keller, eingekeilt zwischen Regalen, Fahrrädern und den üblichen Kellerutensilien steht verstaubt die SRX. Oben im Haus kocht die junge Frau und quengelt das Kleinkind.

„ Ich bin die letzten Jahre eigentlich nur noch zum TÜV und wieder zurück gefahren…“

S.58:Z400J-silber:

In einer Randgemeinde, direkt an der Hauptstrasse. Alles gutbürgerlich und pickobello. Nicht mal die Katze läuft weg. Das Motorrad steht verstaubt hinter dem Haus in einem Gartenschuppen lieblos eingeklemmt.

„ Die hab’ ich damals von meinem Patten gekauft und bin auch immer gern damit gefahren. Aber irgendwann hat das alles nachgelassen und dann hab’ ich sie hier abgestellt. Das ist bestimmt schon fünf Jahre her…“

S59: Z250A:

In einer Kreisstadt mit Ober, Unter, Nieder, West und sonstigen Stadtteilen. Hier aber im alten Ortskern von ‚Nieder’ an der Hauptstrasse.

„ Hier können Sie nicht parken, das ist der Parkplatz vom Nachbarn.“ Also viereinhalb Meter zurück. Hinter dem Haus unter dem Vordach einer Gartenlaube stehen unter Planen zwei Motorräder.

„ Ich hab’ die damals neu gekauft und bin damit zur Arbeit gefahren. Dann hat sie meine Tochter zum üben gefahren. Jetzt haben wir beide ’ne Große und die hier ist übrig…“

S.60: Z400J-blau:

Ein Neubaugebiet auf dem Land. Hier ist alles so neu, dass gerade mal der Rasen vorsichtig wächst. Kein Baum, kaum ein Strauch, ab und zu ein leeres Grundstück mit ein wenig Natur.

„ Wir sind immer nur zu zweit gefahren, meine Frau und ich. Schöne Touren haben wir gemacht, sogar bis in den Harz. Alleine durfte ich nicht fahren…“

S61: XS750:

Ein großes, ehemaliges Autohaus am Rande der Stadt. Leere Parkplätze, alte Ölfässer, volle Abfallcontainer, alles zu. An der Seite der verschmierten Rolltore eine verdreckte Eingangstür,-offen. In der riesigen, ungepflegten Halle der typische, abgestandene Geruch nach Altöl, Zigarettenkippen und Kaffeepfützen. Am Rand, in einer mit Altreifen, leeren Kartons und sonstigem Gerümpel überladenen Ecke, lugt verschämt das Viertel eines Vorderrades hervor.

Der Rest ist unsichtbar unter alten, verschmierten und ölstaubigen Decken verborgen.

„ Ich war mir der damals in Portugal. Mit ‚ner ganzen Clique sind wir da gefahren. Deshalb hab’ ich mir auch die Verkleidung drangemacht. War ‚ne schöne Zeit. Aber dann ging’s irgendwie nicht mehr…“

S.62/63: GS550:

Im alten Ortskern eines Dorfes an der ehemaligen Hauptstrasse. Ein altes Fachwerkhaus mit Scheune. Alles vor Jahren einmal repariert und instand gesetzt, aber nicht zu Ende gebracht. Bauschutt, Bretter, Sandhaufen und Gerümpel, Unkraut.

Ein netter, leicht gammeliger Altfreak schlurft in die dämmrige Scheune, wo inmitten allerlei Lebensgerümpel das Motorrad steht. Völlig desinteressiert stromert eine fette Katze daran vorbei.

„ Ja, sie sieht nicht besonders gepflegt aus und hat doch mehr gelitten, als ich dachte. Kann sein, dass die Kinder mal darauf gespielt haben. Mir geht’s nur darum, dass sie in gute Hände kommt…“

S.64: GPZ500S:

Kreisstadt an der ehemaligen Zonengrenze. Direkt an der Stadtmauer im Hof eines alten Mehrfamilienhauses. Ein sehr netter, mittelalter Sozialmensch, der trotzdem der Jagd frönt.

Das Motorrad steht mit platten Reifen und einem riesigen Nagel als Lenkerstummelersatz im einsetzenden Nieselregen auf dem Hof.

„Mein Sohn hat die mal als Ersatzteilträger für unsere beiden gekauft, aber wir haben nie etwas gebraucht. Jetzt sind beide verkauft und die steht nur noch hier ‚rum…“

S.65: EN450:

Sechzig Kilometer südlich von hier, ein lauschiges, kleines Dorf in schönster Landschaft. Ein restauriertes Bauernhaus mit zum Partyraum ausgebauter Scheune. In der Garage eine riesige, neuere Guzzi.

„ Ich bin viel damit unterwegs gewesen. Ein Mal im Jahr mit Freunden und Motorrädern in den Alpen. Aber dann war sie zwei Mal hintereinander kaputt, da hatte ich keine Lust mehr und habe mir die Guzzi gekauft…“

S.66/67: VF:

Trabantenstadt mit vielen integrierten, alten Dörfern,- südlich von hier. Jedes ehemalige Dorf sieht aus, wie der Stadtkern einer Großstadt mit Hotels und Baustellen.

Hinter dem Haus der Schwiegereltern steht das Motorrad auf einem vermoderten Brett. Daneben eine uralte, verwitterte Abdeckplane.

„ Ich habe die vor neun Jahren hier abgestellt; Plane drüber und fertig. Hatte einfach keine Zeit mehr zum Fahren. Aber auch davor bin ich in fünf Jahren höchstens 3.000 Kilometer gefahren…“

S.68: XS4-DOHC:

Siedlungsgebiet in einer Randgemeinde. Fünfgeschossige Reihenhäuser mit Sprechanlage, daneben ein Garagenhof. Die Wohnung museal modern, wie unbewohnt. Im Arbeitszimmer korrekte Regale mit Aktenordnern für Alles und Jedes. Gegenüber eine Regalwand voll mit ‚Donald Duck’ Sammelbänden chronologisch geordnet.

„ Ich bin in zehn Jahren vielleicht 2.000 Kilometer damit gefahren. Immer nur bei schönem Wetter, aber jetzt brauchen wir den Platz in der Garage…“

S.69: GSX:

Gewachsenes Wohngebiet, zwei Strassen unterhalb meines ehemaligen Wohnortes. Doppelgarage im großen Haus. Darin wohl sortiert und verwahrt alles, was man für die Freizeit braucht. Und das Motorrad.

„ Ich bin die letzten Jahre kaum noch gefahren. Wir waren lieber mit den Rädern unterwegs oder sind gewandert oder auch mal mit dem Boot unterwegs gewesen. Ist ja auch alles viel zu gefährlich geworden…“

S.70/71: Lead:

Sechziger Jahre Siedlungsgebiet mit Einfamilienhäusern, wie an der Schnur und großen Gärten dahinter. Der alte Herr führt munter plappernd in den Garten hinter dem Haus, wo vor einem Gartenhäuschen auf einer Bank eine Katze döst. Unter dem Zwetschgenbaum liegen die reifen Früchte im Gras. In einem kleinen Holzschuppen steht der Roller.

„ Ich bin immer damit zum Einkaufen gefahren. Der schnurrt wie ein Bienchen, aber meine Frau meint, ich wäre schon zu alt dafür und deshalb gebe ich ihn jetzt ab. Wollen Sie ihn mitnehmen? ..Nehmen Sie ihn ruhig mit, dann ist er weg, ich brauche ihn nicht mehr…“

S.72/73: 125S:

Wieder eine Randgemeinde, wieder ein Siedlungsgebiet der 70-er Jahre. Großes Zweifamilienhaus mit integrierter Garage, großem Hof davor, Hoher Holzzaun, großer Garten mit Garagen dahinter. Ein alter Herr, am Stock humpelnd führt in die mit Gartengeräten und einem Anhänger vollgestopfte Garage. An der Wand, unter etlichen Wolldecken steht die kleine Honda.

„ Ich habe sie damals neu gekauft und bin im Sommer öfter mit zur Arbeit gefahren. Meine Frau und ich haben am Wochenende oft schöne Touren damit gemacht und ich bin die letzten Jahre noch damit in den Garten gefahren. Aber seit meinem Treppensturz geht’s nicht mehr. Und ich fahre mein ganzes Leben schon Motorrad, na ja, mit 83 kann man auch langsam aufhören…“ 

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